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Halbfabrikate in der Stückliste: gesägt, geschweißt, beschichtet

9 Min. Lesezeit · Für Arbeitsvorbereitung · 11. Oktober 2024

Der Vorarbeiter ruft in der Arbeitsvorbereitung an und stellt eine ganz einfache Frage: Ist Rahmen 4021 nun da oder nicht? Die Antwort hängt davon ab, was Sie mit "da sein" meinen. Die Sägeteile liegen schon seit einer Woche bereit. Der geschweißte Rahmen steht seit gestern an der Richtbank. Und der beschichtete Rahmen, der einzige, mit dem der Monteur etwas anfangen kann, hängt noch beim Beschichter. Dreimal dasselbe Bauteil, und drei verschiedene Antworten.

Wer solche Gespräche häufig führt, hat in Wahrheit kein Kommunikationsproblem, sondern ein Problem mit der Struktur. Ein Modell durchläuft mehrere Bearbeitungsstufen, und solange diese Stufen keinen eigenen Platz in Stückliste und Metadaten haben, kann die Planung sie nicht einsteuern und der Einkauf kann sie nicht bestellen. In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie Halbfabrikate in Ihrer Inventor-Stückliste eine eigene Identität geben: wann eine Stufe eine eigene Artikelnummer verdient, wie Sie das in Ihrer Struktur abbilden und wie Sie daraus je Arbeitsschritt eigene Listen ziehen, von Hand oder mit einer Toolbox wie Thundercad.

Zur Abgrenzung: Es geht hier um die Stufen ein und desselben Bauteils, also gesägt, geschweißt, beschichtet. Die Unterscheidung zwischen Eigenfertigung, Zukauf und Normteilen ist eine ganz andere Frage; die haben wir bereits in Fertigungsteile, Kaufteile und Normteile: sauber getrennt in der Stückliste behandelt.

Ein Modell, drei Wege

Nehmen wir diesen Rahmen. Er beginnt als ein Bund aus Rohr und Blech, den die Sägerei auf Maß bringt. Die Sägeteile gehen in die Schweißerei oder zu einem Lohnschweißer in der Nachbarschaft. Der geschweißte Rahmen verlässt danach fast immer das Haus: Strahlen und Pulverbeschichten oder Verzinken macht kaum ein Betrieb selbst. Es sind also drei Stufen, und jede hat eine eigene Durchlaufzeit, einen eigenen Arbeitsplatz oder Lieferanten und einen eigenen Kostensatz.

Steht nur das Endergebnis in Ihrer Stückliste, dann ist alles, was davor liegt, unsichtbar. Der Planer kann den Beschichter nicht einplanen, denn es gibt keinen Artikel mit der Bezeichnung "Rahmen geschweißt, unbeschichtet". Der Einkauf kann den Beschichtungsauftrag nicht vergeben, weil es nichts gibt, woran er ihn hängen könnte. Der Zwischenbestand, also die fünf geschweißten Rahmen, die auf den Transport warten, ist nirgendwo erfasst. Und in der Nachkalkulation sind Sägen, Schweißen und Beschichten ein einziger grauer Klumpen. Jede Stufe, die Sie planen, bestellen oder zählen wollen, braucht also eine eigene Identität.

Wann verdient eine Stufe eine eigene Artikelnummer?

Nicht jede Bearbeitung muss zu einem eigenen Artikel werden; sonst wird am Ende aus jeder Bohrung eine Stücklistenzeile. Eine brauchbare Faustregel: Eine Stufe bekommt eine eigene Nummer, sobald etwas über sie hinweggeht, das Sie verfolgen wollen. Konkret gilt das in diesen vier Fällen:

Bleibt ein Schritt innerhalb eines Fertigungsauftrags und einer Halle, dann ist er meist einfach ein Arbeitsgang im Arbeitsplan und kein eigener Artikel. Gesägte Teile sind in Inventor ohnehin schon eigenständige Bauteile mit eigener Nummer; die Frage stellt sich vor allem bei der geschweißten und der beschichteten Stufe. Wie Sie diese Nummern anschließend aufbauen, sprechend oder nicht sprechend, ist eine Diskussion für sich; die haben wir in Artikelnummern, die mitwachsen geführt. Hier zählt nur eines: Jede Stufe hat eine Nummer, und die Nummern verweisen aufeinander.

So bilden Sie die Stufen in Ihrer Struktur ab

Die Form, die in der Praxis am wenigsten Ärger macht, ist einfach: eine Baugruppenebene je bestellbarer Stufe. Für den Rahmen sieht das so aus:

StufeIn InventorWas darin stecktWer sie steuert
Gesägteinzelne BauteileRohr- und Blechteile auf MaßSägerei und Materialeinkauf
GeschweißtBaugruppe (oder Weldment)alle SägeteileSchweißerei oder Lohnfertiger
Beschichtetübergeordnete Baugruppe mit einer Komponenteder geschweißte RahmenEinkauf und Endmontage

Die beschichtete Stufe wirkt in Inventor zunächst etwas kahl: eine Baugruppe mit einer einzigen Komponente, dem geschweißten Rahmen, und sonst nichts. Genau so ist es aber richtig gedacht. Eine Beschichtung ist keine Geometrie, sondern ein Zustand; den halten Sie in Feldern fest, nicht in Features. Die Alternative, die Beschichtung als Arbeitsgang im Arbeitsplan des geschweißten Artikels, ist völlig in Ordnung, solange Sie nie unbeschichtete Rahmen auf Lager legen oder einzeln ausliefern. Entscheiden Sie sich für eine Linie und halten Sie daran fest; eine Mischung aus beiden Varianten ist der Punkt, an dem die Verwirrung beginnt.

Eine klare Struktur zahlt sich erst aus, wenn die Listen genauso klar herauskommen. Thundercad bringt Ihre Stückliste mit wenigen Klicks nach Excel, in Ihre eigene Vorlage, fertig für Einkauf und Planung.

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Metadaten je Stufe: dieselbe Datenkarte für jedes Bauteil

Struktur allein reicht allerdings nicht aus; Einkauf und Planung steuern über Felder. Drei Felder leisten die meiste Arbeit: die Stufe selbst (gesägt, geschweißt, beschichtet), die Behandlung (Pulverbeschichtung mit Farbcode, Verzinken, Strahlen) und die Frage, ob der Schritt fremdvergeben wird. Halten Sie diese als iProperties mit festen Auswahlwerten fest statt als freien Text: "pulverbeschichtet", "Pulverbeschichtung" und "beschichtet" sind für einen Menschen dasselbe, für einen Filter aber drei Welten.

Mit dem iProperty Panel richten Sie dafür je Dokumenttyp eine eigene Datenkarte ein: Ein Bauteil verlangt andere Felder als eine Baugruppe, und der Konstrukteur sieht beim Ausfüllen sofort, welches Feld noch leer ist. So bleibt das Stufenfeld keine gute Absicht, sondern wird zum festen Bestandteil der Freigabe.

Tipp: Schreiben Sie die Stufe in das Feld und in die Benennung: "Rahmen Förderband, geschweißt" neben "Rahmen Förderband, beschichtet". Das Feld ist für Filter und Schnittstellen da, die Benennung für den Menschen, der zwei Zeilen in einem Bestellvorschlag auseinanderhalten muss.

Je Arbeitsschritt eine Liste: Sägerei, Schweißer, Beschichter

Mit den Stufen in der Struktur und sauberen Feldern wird die Stückliste zu einer Quelle, aus der sich jede Abteilung ihren eigenen Auszug zieht. Die Sägeliste ist nichts anderes als die Stückliste des geschweißten Rahmens: alle Bauteile mit der Stufe "gesägt", ergänzt um Werkstoff und Länge. Der Beschichter erhält eine Liste mit geschweißten Artikeln, Behandlungscode und Mengen. Die Planung liest die Durchlaufzeit je Stufe direkt ab, statt sie schätzen zu müssen.

Export BOM übernimmt dabei die Handarbeit: Es schreibt die Stückliste, samt der von Ihnen gewählten Spalten, in einem Durchgang in Ihre eigene Excel-Vorlage. Das Filtern nach Stufe oder Behandlung ist danach nur noch eine Sache von einer einzigen Spalte. Die Sägerei bekommt ihre Liste, der Einkauf filtert die fremdvergebene Arbeit je Lieferant, und niemand tippt mehr etwas ab.

Häufig gestellte Fragen

Braucht jeder geschweißte Rahmen auch eine beschichtete Variante?

Nein. Ein eigener Artikel für die beschichtete Stufe lohnt sich erst, wenn diese Stufe eine Grenze überschreitet oder auf Lager liegt: fremdvergebene Beschichtung, Zwischenbestand oder unbeschichtete Rahmen, die Sie einzeln ausliefern. Erfolgt die Beschichtung im selben Fertigungsauftrag, genügt ein Arbeitsgang im Arbeitsplan. Wichtiger als die Entscheidung selbst ist, dass Sie überall dieselbe Entscheidung treffen.

Wie halte ich die Beziehung zwischen den Stufen sichtbar?

An drei Stellen gleichzeitig. Die Struktur selbst: Der beschichtete Artikel enthält den geschweißten, der geschweißte enthält die Sägeteile, also zeigt die Stückliste die ganze Kette von allein. Die Benennung: derselbe Grundname mit der Stufe als Zusatz. Und die Datenkarte: ein Feld, das auf die übergeordnete oder untergeordnete Nummer verweist, damit sich auch eine einzelne Excel-Zeile zurückverfolgen lässt.

Funktioniert das auch ohne ERP-Anbindung?

Ja. Die Stufen, Nummern und Felder halten Sie vollständig in Inventor fest; ein Excel-Export je Stufe bringt Einkauf und Planung bereits ein gutes Stück weiter. Eine Anbindung macht das Abtippen danach überflüssig, sie ist aber keine Voraussetzung dafür, jetzt zu beginnen. Wenn Sie die Exporte und Datenkarten in der Praxis sehen möchten, können Sie Thundercad 30 Tage kostenlos testen.

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