Die Abwicklungen waren gerade raus: achtunddreißig Blechteile für ein Maschinengestell mit Schutzverkleidung. Zwei Stunden später ruft der Laserschneider an. In drei Dateien liegen die Biegelinien auf derselben Ebene wie die Schnittkontur, eine Gravur steht spiegelverkehrt, und bei den kleinen Abdeckungen fehlen die Stückzahlen. Ob das Paket bitte noch einmal geliefert werden könne. Dahin ist der Vorsprung, den die Vergabe nach außen gerade bringen sollte.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann lohnt es sich, den Weg von der Abwicklung zur DXF-Datei für das Laserschneiden in Inventor einmal sauber einzurichten. In diesem Artikel gehen wir diesen Weg Schritt für Schritt durch: die Abwicklung prüfen, bevor Sie exportieren, Ebenen und Konturen so liefern, wie die Nesting-Software sie erwartet, Gravuren und Biegelinien mitschicken, ohne dass der Laser sie ausschneidet, und das Ganze nach Materialstärke übergeben. Die Exportarbeit selbst automatisieren Sie mit einer Toolbox wie Thundercad; die Absprachen drumherum treffen Sie einmal mit Ihrem Zuschnittbetrieb und danach nie wieder.
Ein Thema lassen wir bewusst außen vor: die grundsätzliche Wahl zwischen DWG und DXF als Austauschformat. Darüber haben wir bereits in DWG oder DXF liefern? Was Werkstatt und Kunde wirklich brauchen geschrieben. Im Folgenden gehen wir von DXF aus, denn damit arbeitet praktisch jeder Schneidtisch.
Erst die Abwicklung in Ordnung bringen, dann exportieren
Eine DXF-Datei wird nie besser als die Abwicklung darunter. Prüfen Sie deshalb zuerst das Blechteil. Hat jedes Bauteil überhaupt eine Abwicklung, und ist sie aktuell? Eine Abwicklung, die nach einer Modelländerung nie wieder angesehen wurde, liefert munter die Schnittdatei der vorherigen Revision. Das merken Sie erst, wenn die Platine beim Kanten nicht passt, und dann ist sie längst geschnitten.
Dann die gestreckte Länge. Sie wird von der Biegekorrektur bestimmt: dem k-Faktor oder der Biegetabelle in Ihrem Blechstil. Welcher Wert der richtige ist, hängt von Maschine, Werkzeug und Material ab, und nur eine Seite weiß das sicher: derjenige, der später kantet. Fragen Sie die Biegetabelle bei Ihrem Zuschnittbetrieb oder Ihrem Kanter ab und übernehmen Sie sie in Ihren Stil, statt jahrelang auf dem Standardwert zu fahren. Mehr Biegetheorie brauchen Sie für eine gute Schnittdatei nicht; entscheidend ist, dass Ihre Abwicklung und deren Abkantpresse mit derselben Korrektur rechnen.
Prüfen Sie zum Schluss, ob die Blechdicke im Modell zu dem passt, was bestellt wird. Ein Bauteil, das als 2 mm modelliert, aber in 3 mm geschnitten wird, braucht eine andere Abwicklung und andere Biegekorrekturen. Auf dem Schneidtisch sehen Sie diesen Unterschied nicht, bei der ersten Biegung schon.
Ebenen und Konturen: die Sprache der Nesting-Software
Nesting-Software liest keine Zeichnung, sie liest Ebenen. Was auf der Schnittebene liegt, wird geschnitten. Was auf der Gravurebene liegt, wird graviert. Was die Software nicht erkennt, wird ignoriert oder, noch ärgerlicher, trotzdem mitgeschnitten. Die Aufteilung, die praktisch jeder Zuschnittbetrieb sehen will:
- die Außenkontur auf einer eigenen Ebene, als geschlossene Kontur;
- Innenkonturen und Bohrungen auf einer eigenen Ebene, ebenfalls geschlossen;
- Gravurtexte und Markierungen auf einer Gravurebene;
- Biegelinien auf einer separaten Ebene, klar getrennt von allem Schnittwerk;
- Hilfsgeometrie wie Mittellinien und Rahmen gar nicht erst in der Datei.
Die genauen Ebenennamen und Farben unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb; fragen Sie deshalb das Lieferprotokoll Ihres Zuschnittbetriebs ab. Zwei technische Absprachen gehören immer dazu. Konturen müssen wirklich geschlossen sein: ein Spalt von einem Zehntelmillimeter, und die Nesting-Software sieht kein Bauteil mehr, sondern eine Ansammlung loser Linien. Und liefern Sie keine Splines. Inventor kann Splines beim Export in Linien und Bögen umwandeln; schalten Sie diese Umwandlung ein, denn längst nicht jede Maschinensteuerung kommt mit Splines zurecht.
Gravuren und Biegelinien: Informationen mitschicken, ohne sie zu schneiden
Bei einer einzelnen Abdeckung sehen Sie die Biegerichtung sofort. Bei zweihundert fast identischen Platinen aus einem Nest nicht mehr. Setzen Sie deshalb die Bauteilnummer als Gravur auf jedes Teil, das Sie schneiden lassen: Die Werkstatt sortiert dann fehlerfrei, selbst wenn sich drei Varianten nur um wenige Millimeter unterscheiden. Wählen Sie eine feste Stelle, zum Beispiel nahe einer Ecke auf der nicht sichtbaren Seite, und halten Sie den Text kurz.
Biegelinien bekommen ihre eigene Ebene, wo nötig mit der Richtung dazu: nach oben oder nach unten kanten. Klären Sie aber zuerst, ob Ihr Zuschnittbetrieb sie überhaupt haben will. Manche Betriebe holen sich die Biegeinformationen lieber selbst aus dem 3D-Modell und wollen blanke Schnittkonturen; andere gravieren die Biegelinien als Hilfe für das Kanten mit. Beides ist in Ordnung, solange es eine Absprache ist und keine Überraschung.
Achten Sie zum Schluss auf Spiegelung. Der Zuschnittbetrieb schaut von oben auf die Tafel, legen Sie also fest, welche Seite oben liegt; meist gilt, dass gravierter Text lesbar sein muss. Exportieren Sie die Abwicklung von der falschen Seite, wird das Bauteil spiegelverkehrt geschnitten. Bei einem symmetrischen Teil macht das nichts, bei einer Abdeckung mit außermittigem Ausschnitt liegt bald ein Stapel spiegelverkehrter Teile neben dem Schrottcontainer.
Export aus Inventor: einmal einrichten, immer gleich
Aus der Abwicklung heraus exportiert Inventor direkt nach DXF, über einen Dialog voller Entscheidungen: Ebenenzuordnung, Farben, Spline-Umwandlung, Dateiversion. Genau dort schleicht sich die Streuung ein. Wer am Ende des Tages noch schnell acht Abdeckungen exportiert und ein Häkchen anders setzt, liefert Dateien ab, die knapp von denen der Kollegin abweichen. Der Zuschnittbetrieb merkt es, schreibt eine Mail, und das Hin und Her beginnt.
Das ist der Punkt zum Automatisieren. Mit Export DXF in Thundercad exportieren Sie eine Abwicklung mit einem Klick nach festen Voreinstellungen: dieselben Ebenen, dieselbe Umwandlung, die Datei sofort im richtigen Ordner. So liefert die ganze Abteilung identische Arbeit ab, auch die Kollegin, die nur gelegentlich Blech konstruiert. Und wenn Sie alle Abwicklungen einer kompletten Baugruppe auf einmal brauchen: Das steht als Batch Flatpattern auf der Roadmap von Thundercad.
Jede Abwicklung mit denselben Ebenen und denselben Voreinstellungen aus dem Haus zu geben spart Diskussionen mit Ihrem Zuschnittbetrieb und Nacharbeit im Nachhinein. Diesen festen Export richten Sie einmal ein, danach klickt jeder nur noch.
30 Tage kostenlos testenLiefern nach Materialstärke
Ein Nest wird pro Kombination aus Material und Dicke erstellt. Liefern Sie Ihre Dateien deshalb auch so, statt vierzig einzelne DXF-Dateien in einen Ordner zu kippen. Ein Vorgehen, das bei jedem Zuschnittbetrieb gut ankommt:
- ein Ordner pro Kombination: Stahl 2 mm, Stahl 3 mm, Edelstahl 1,5 mm;
- pro Bauteil die Stückzahl dazu, in einer kurzen Liste oder im Dateinamen;
- Bauteilnummer und Revision in jedem Dateinamen, damit nie stillschweigend eine alte Version erneut geschnitten wird;
- Besonderheiten ausdrücklich genannt: Schutzfolie, Schliffrichtung bei gebürstetem Edelstahl, Sichtseite.
Schicken Sie bei gekanteten Teilen auch eine Zeichnung oder das 3D-Modell als Referenz mit; der Zuschnittbetrieb sieht dann sofort, was nach dem Schneiden mit dem Teil passiert. Wie Sie ein solches Paket anschließend ohne endloses Mailen zu Ihrem Lieferanten bekommen und wie Sie verhindern, dass drei Versionen desselben Pakets im Umlauf sind, haben wir in Dateien an Zulieferer übergeben, ohne Mail-Pingpong beschrieben.
Häufig gestellte Fragen
Soll ich Biegelinien in der DXF-Datei mitschicken?
Das entscheidet Ihr Zuschnittbetrieb. Manche Betriebe wollen nur blanke Schnittkonturen und holen sich die Biegeinformationen aus dem 3D-Modell, andere gravieren Biegelinien als Hilfe beim Kanten mit. Fragen Sie nach, halten Sie die Entscheidung in Ihren Exportvoreinstellungen fest und setzen Sie Biegelinien auf keinen Fall auf die Schnittebene.
Warum weicht meine gestreckte Länge von dem ab, was der Kanter misst?
Fast immer, weil mit unterschiedlichen Biegekorrekturen gerechnet wird. Der k-Faktor oder die Biegetabelle in Ihrem Blechstil muss zur Maschine und zum Werkzeug desjenigen passen, der kantet. Übernehmen Sie dessen Biegetabelle in Inventor, und der Unterschied verschwindet.
Kann ich alle Abwicklungen einer Baugruppe auf einmal exportieren?
Standardmäßig exportiert Inventor pro Bauteil, und mit Export DXF erledigen Sie das mit einem Klick und festen Voreinstellungen. Für den Stapelexport kompletter Baugruppen steht eine Lösung auf der Roadmap. Wenn Sie in der Zwischenzeit spüren möchten, was feste Exportvoreinstellungen bringen: Testen Sie Thundercad 30 Tage kostenlos.