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Zeichnungen

Vom 3D-Modell zum kompletten Zeichnungssatz, ohne vergessene Blätter

9 Min. Lesezeit · Für Konstrukteur · 21. Februar 2025

Eine vergessene Zeichnung pro Projekt. Mehr ist es meist nicht, und doch verursacht genau dieses eine Blatt die teuersten Stunden: die Abkantpresse steht still, weil von zwei spiegelbildlichen Kragenblechen nur das linke auf Papier existiert; der Zulieferer meldet, dass von achtzehn Blechteilen siebzehn im Paket lagen. Eine Zeichnung zu erstellen, während die Fertigung darauf wartet, ist die teuerste Zeichenarbeit, die es gibt.

Solche Lücken entstehen nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ein System fehlt: Niemand behält im Kopf, welche von hundertvierzig Bauteilen ein eigenes Blatt brauchen. Dagegen hilft nur eines: eine feste Reihenfolge und eine lückenlose Endkontrolle, damit ein vollständiger Zeichnungssatz aus Inventor keine Glückssache ist, sondern Methode. In diesem Artikel bauen wir diese Methode auf; für die Endkontrolle nutzen wir unter anderem Get Drawings aus der Toolbox von Thundercad.

Welche Zeichnungen braucht eine Maschine wirklich?

Bevor Sie Vollständigkeit prüfen können, müssen Sie wissen, was vollständig heißt. Nicht jede Datei in der Baugruppe verdient ein Blatt, und nicht jedes Blatt muss alles zeigen: Jeder Leser hat seine eigene Frage.

ZeichnungFür wenWas darauf gehört
BaugruppenzeichnungMontage, KundeÜbersicht, Hauptmaße, Positionen mit Stückliste
Unterbaugruppe oder SchweißgruppeSchweißerei, VormontageSchweißsymbole, Maße nach dem Schweißen, eigene Teilliste
FertigungsteilZerspaner, BlechbearbeiterVollständige Bemaßung, Werkstoff, Toleranzen
Kaufteil mit NacharbeitWerkstattNur die Bearbeitung und das Endmaß
Standard-Kaufteil oder NormteilNiemandKeine Zeichnung

Am meisten diskutiert wird die Grenze zwischen Kaufteil und Fertigungsteil: Eine zugekaufte Welle, die auf Länge gesägt wird, braucht sehr wohl ein Blatt, so einfach es auch ist. Legen Sie diese Grenze einmal fest und schreiben Sie sie auf; danach verschwindet der Zweifel aus jedem weiteren Projekt.

Achten Sie außerdem auf den Detailgrad pro Leser. Dem Monteur genügt die Übersicht mit Positionen und Hauptmaßen; jedes zusätzliche Maß macht sein Blatt voller, aber nicht besser. Der Zerspaner will alles: jede Passung, jede Toleranz, jedes Gewinde. Der Schweißer liegt dazwischen: Er will die Maße nach dem Schweißen sehen und sie nicht selbst aus Einzelteilen zusammenrechnen. Wer jedes Blatt für seinen eigenen Leser detailliert, hält den Satz klein und trotzdem lesbar.

Von groß nach klein arbeiten

Einen vollständigen Satz erreichen Sie am einfachsten in einer festen Reihenfolge:

  1. zuerst die Baugruppenzeichnung der Maschine: Sie legt Struktur und Positionen fest, und dort kommen Strukturfehler ans Licht;
  2. dann pro Montagegruppe die Zeichnungen der Unterbaugruppen und Schweißgruppen;
  3. danach die Fertigungsteile derselben Montagegruppe, so lange, bis die Gruppe fertig ist;
  4. erst dann weiter zur nächsten Montagegruppe, und zum Schluss die losen Enden wie Kaufteile mit Nacharbeit.

Die Reihenfolge zählt, weil Änderungen nach unten durchsickern. Zeichnen Sie zuerst die Bauteile, dann schickt Sie jede Kollision, die Sie später in der Übersicht entdecken, zurück zu Blättern, die Sie längst fertig glaubten. Gruppe für Gruppe abzuschließen verhindert außerdem das gefährlichste Muster: überall anfangen und nirgends fertig werden. Und es verteilt sich von selbst auf mehrere Leute: Ein Kollege nimmt die nächste Montagegruppe und arbeitet in derselben Reihenfolge. Planen Sie pro Auftrag, dann machen Sie die Montagegruppen zu den Zeilen dieser Planung: Eine Gruppe ist erst fertig, wenn Modell, Zeichnung und Kontrolle alle drei erledigt sind.

Wo die Lücken entstehen

Wer weiß, wo Blätter verloren gehen, prüft gezielter. Die fünf üblichen Verdächtigen:

Diese Fälle haben eines gemeinsam: Sie sind unsichtbar, solange Sie durch Ihre Ordner blättern. Ein Ordner voller Zeichnungen wirkt fertig; ob er es auch ist, ist eine ganz andere Frage.

Abzuhaken, welches Bauteil schon ein Blatt hat, ist genau die Art Zählarbeit, die liegen bleibt, bis es zu spät ist. Überlassen Sie das Zählen Ihrem Werkzeug.

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Lückenlos prüfen: Das Modell ist die Checkliste

Die einzige vollständige Liste dessen, was in der Maschine steckt, ist das Modell selbst. Prüfen Sie Vollständigkeit also gegen die Stückliste der Hauptbaugruppe, nie gegen Ihre Ordnerstruktur: Der Ordner zeigt, was da ist, die Stückliste zeigt, was da sein müsste.

Der manuelle Weg funktioniert: Stückliste exportieren, eine Spalte "Zeichnung vorhanden" daneben setzen und die Zeilen abhaken. Ehrliche Arbeit, aber sie veraltet mit jeder Änderung und lebt von der Disziplin, sie nach jeder Revision erneut zu machen.

Mit Get Drawings ist dieselbe Kontrolle ein einziger Handgriff: Sie wählen die Baugruppe aus, und das Werkzeug holt die Zeichnungen dazu, die zu den Bauteilen und Montagegruppen gehören. Was keine Zeichnung hat, fällt sofort auf, und Sie sehen ebenso schnell, wenn ein Blatt aus dem falschen Projekt stammt. Fahren Sie diese Kontrolle zu zwei Zeitpunkten: wenn eine Montagegruppe fertig sein sollte, und noch einmal kurz bevor das Paket herausgeht.

Vollständig ist übrigens nicht dasselbe wie richtig: Dass jedes Fertigungsteil ein Blatt hat, sagt nichts darüber aus, was darauf steht. Wie Sie den Inhalt prüfen, bevor etwas das Haus verlässt, steht in Zeichnungen prüfen vor der Freigabe: die komplette Checkliste.

Tipp: Geben Sie der Zeichnung exakt denselben Dateinamen wie dem Modell und legen Sie beide in denselben Ordner. Nach Namen sortiert steht jedes Paar nebeneinander; ein Modell ohne Blatt daneben fällt sofort auf, auch ganz ohne Werkzeug.

Vom vollständigen Satz zum Paket, das herausgeht

Ist der Satz vollständig und geprüft, beginnt das Packen. Der Zeichnungssatz ist der Kern, aber selten die ganze Geschichte: Die Arbeitsvorbereitung will PDF-Dateien, die Blechfertigung DXF-Dateien, der Einkauf die Stückliste. Was alles in dieses Paket gehört und wer welchen Teil davon bekommt, lesen Sie in Das komplette Fertigungspaket: Was liefern Sie, und an wen?.

Für die Umwandlung selbst müssen Sie nicht mehr Zeichnung für Zeichnung exportieren: Mit Batch Publish wandeln Sie den kompletten Satz in einem Lauf nach PDF, DWG, DXF oder STEP. Das ist aber der einfache Schritt, und genau deshalb kommt er zum Schluss: Einen Satz mit Lücken im Stapel zu exportieren, liefert vor allem sehr schnell ein unvollständiges Paket.

Häufig gestellte Fragen

Erstelle ich auch Zeichnungen von Kaufteilen?

Nur wenn etwas mit ihnen passiert oder geprüft werden muss: eine Welle, die auf Länge geht, eine zugekaufte Haube, die Bohrungen bekommt, ein Prüfmaß beim Wareneingang. Ein Standard-Kaufteil, das unverändert ins Lager geht, bekommt kein Blatt. Legen Sie diese Grenze einmal fest, dann muss niemand in jedem Projekt neu darüber nachdenken.

In welcher Reihenfolge arbeite ich eine Änderung mittendrin ein?

In derselben Reihenfolge wie in der ersten Runde: zuerst Modell und Baugruppenzeichnung, dann die betroffenen Montagegruppen, dann die Bauteile. Schließen Sie mit einer neuen Vollständigkeitskontrolle ab, denn gerade bei Änderungen entstehen die Lücken: Ein neu eingefügtes Bauteil hat noch kein Blatt, und niemand denkt daran.

Wie sehe ich schnell, welche Fertigungsteile noch keine Zeichnung haben?

Wählen Sie die Baugruppe aus und lassen Sie Get Drawings die zugehörigen Zeichnungen holen: Bauteile ohne Blatt fallen sofort heraus. Diese Kontrolle fahren Sie im kostenlosen Probemonat von Thundercad einfach an Ihren eigenen Projekten.

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