Ein Konstrukteur platziert eine Sechskantschraube M12x40 aus dem Content Center. Sein Kollege nutzt dieselbe Schraube, allerdings als lose Datei, die irgendwann aus einem alten Projekt kopiert wurde. Die Arbeitsvorbereitung findet im Artikelstamm anschließend noch eine dritte Variante, mit eigener Nummer und sauber eingetragenem Gewicht. Drei Dateien, drei Nummern, eine Schraube: und niemand traut sich noch zu sagen, welche die echte ist.
So sieht Bibliothekschaos aus: kein großer Knall, sondern Kopien, die still und leise auseinanderlaufen. Das Gegenmittel ist so einfach wie streng. Normteile und eigene Standardteile gehören an einen verwalteten Ort, schreibgeschützt für alle außer dem Verantwortlichen. Wer sein Content Center und seine Bibliothek verwalten will, braucht dafür keine teure Software: Klare Absprachen erledigen den größten Teil der Arbeit, und Werkzeuge aus einer Toolbox wie Thundercad helfen bei der Pflege. In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie das einrichten: der Unterschied zwischen Content Center und eigenen Bibliotheken, warum Kopien in Projektordnern Ärger machen, wie Sie eine eigene Familie sauber ergänzen und was Sie tun, wenn doch jemand ein Bibliotheksteil ändert.
Dieser Beitrag beschränkt sich bewusst auf die Bibliotheksverwaltung. Wie Sie den Arbeitsordner, die Projektdatei und die Ordner darum herum organisieren, haben wir bereits in Ordnung in Ihren Inventor-Projektordnern: Arbeitsordner, Bibliotheken und Projektdatei beschrieben.
Content Center und eigene Bibliotheken: zwei Varianten, ein Prinzip
Inventor kennt zwei Arten von Bibliotheken, und sie bestehen problemlos nebeneinander. Das Content Center ist eine Datenbank mit Familien: Tabellen, aus denen Inventor Normteile erzeugt, von Schrauben und Muttern bis zu Profilen. Eine eigene Bibliothek ist deutlich einfacher: ein gewöhnlicher Ordner mit Dateien, der in der Projektdatei als Bibliothek gekennzeichnet ist, woraufhin Inventor alles darin als schreibgeschützt behandelt.
Als Faustregel dafür, was wohin gehört:
- Content Center: tabellengesteuerte Normteile, die in vielen Größen vorkommen: Schrauben, Muttern, Scheiben, Profile, Rohrleitungsteile.
- Eigene Bibliothek: Kaufteile mit fester Geometrie, etwa Motoren, Lager und Sensoren, dazu eigene Standardteile, die in jeder Maschine wiederkehren, denken Sie an Stellfüße oder einen Standard-Kabelkanal.
- Projektordner: ausschließlich auftragsbezogene Fertigungsteile und Baugruppen. Keine einzige Kopie eines Norm- oder Kaufteils.
Das Prinzip hinter beiden Bibliotheksformen ist dasselbe: eine Quelle, verwaltet, schreibgeschützt. Wie diese drei Teilearten anschließend auch in Ihrer Stückliste sauber getrennt bleiben, lesen Sie in Fertigungsteile, Kaufteile und Normteile: sauber getrennt in der Stückliste.
Warum Kopien in Projektordnern Ärger machen
Die Kopie im Projektordner ist fast immer gut gemeint. Schnell eine Schraube gebraucht, keine Lust, die Familie zu suchen, also kopiert jemand die Datei aus dem vorigen Projekt mit. Ab diesem Moment kursieren zwei Wahrheiten, und sie wachsen auseinander: Die Bibliotheksversion bekommt später ein besseres Gewicht oder eine neue Artikelnummer, die Kopie nicht.
Drei Mechanismen machen solche Kopien teuer. Erstens die Stückliste: dieselbe Schraube unter drei Nummern bedeutet drei Zeilen für den Einkauf, der dann dreimal bestellt oder dreimal nachfragt. Zweitens die Dateiauflösung: Inventor sucht Dateien über die Projektdatei, und eine Kopie mit gleichem Dateinamen in einem durchsuchten Ordner bedeutet, dass eine Baugruppe unbemerkt die falsche Version greifen kann. Drittens die Pflege: Wer einen Fehler behebt, behebt ihn nur in der Version, die er kennt; alle Kopien behalten den Fehler.
In der Praxis geht es genau dann schief, wenn es weh tut. Ein Blechbearbeiter stellt bei einer Inventur fest, dass eine viel verwendete Unterlegscheibe unter vier Nummern im Umlauf ist, und darf danach in alten Aufträgen klären, welche Zeilen zu welchem physischen Bauteil gehören. Diese Sucharbeit kostet schnell mehr Stunden, als es je gekostet hätte, die Scheibe einmal sauber in die Bibliothek zu legen.
Ein verwalteter Ort, schreibgeschützt für alle außer dem Verantwortlichen
Die Einrichtung dreht sich um drei Absprachen. Erstens: Alle Normteile und Standardteile liegen im Content Center oder in einem einzigen Bibliotheksordner auf dem Server, sonst nirgends. Zweitens: Diese Orte sind schreibgeschützt für alle außer einem Verantwortlichen, mit einer Vertretung für Urlaub und Krankheit. Drittens: Jede Änderung und jedes neue Teil läuft über diesen Verantwortlichen, mit niedriger Hürde und kurzer Durchlaufzeit.
Technisch ist das schnell geregelt. Veröffentlichen Sie eigene Familien immer in einer eigenen Content Center-Library neben den mitgelieferten Standardbibliotheken, damit der Standard original bleibt. Setzen Sie den Bibliotheksordner auf dem Dateiserver über die Ordnerberechtigungen auf schreibgeschützt und lassen Sie die Projektdatei des gesamten Teams auf dieselben Bibliotheken zeigen. Auch die Metadaten gehören zur Verwaltung: Mit dem iProperty Panel von Thundercad geben Sie Bibliotheksteilen über eine einstellbare Datenkarte je Dokumenttyp überall dieselben Felder, von der Artikelnummer bis zu Benennung und Werkstoff. So erscheint jedes Teil erkennbar in Suchergebnissen und in der Stückliste.
Konsequente Metadaten sind die halbe Bibliotheksverwaltung: Ein Teil, das auffindbar ist, wird nicht erneut modelliert oder kopiert. Mit dem iProperty Panel füllt der Verantwortliche jede Datenkarte in einem Durchgang richtig aus.
30 Tage kostenlos testenSo ergänzt der Verantwortliche eine eigene Familie sauber
Eine eigene Familie im Content Center zu ergänzen ist keine Tagesaufgabe, erfordert aber Sorgfalt. Eine Route, die sich in der Praxis bewährt:
- Prüfen Sie, ob es das Teil schon gibt: Suchen Sie nach Benennung und nach Nummer, auch im eigenen Bibliotheksordner. Die meisten "neuen" Teile entpuppen sich als Variante Nummer drei.
- Kopieren Sie eine bestehende Familie mit ähnlichem Aufbau in die eigene Library und aktualisieren Sie die Tabelle: Maße, Artikelnummern, Benennungen.
- Füllen Sie die Metadaten nach der festen Datenkarte, damit das Teil später für Suche, Stückliste und Einkauf erkennbar ist.
- Testen Sie die Familie in einem leeren Modell: Platzieren Sie ein paar Größen und prüfen Sie Gewicht, Werkstoff und die Darstellung auf einer Testzeichnung.
- Veröffentlichen Sie sie und melden Sie dem Team kurz, dass die Familie existiert und wie sie heißt. Ein Bibliotheksteil, das niemand kennt, wird fröhlich neu modelliert.
Für ein einzelnes Kaufteil im Bibliotheksordner gilt dieselbe Route im Kleinen: Nummer, Metadaten, kurze Meldung. Halten Sie die Durchlaufzeit kurz; je schneller der Verantwortliche eine Anfrage bearbeitet, desto kleiner die Versuchung, doch schnell eine Kopie anzulegen.
Wenn doch jemand ein Bibliotheksteil ändert
Das passiert in jedem Betrieb einmal, und es gibt zwei Varianten. Die erste: Jemand ohne Schreibrechte will ein Bibliotheksteil ändern, und Inventor erzwingt eine Kopie im Arbeitsordner. Diese Kopie ist genau der Ärger aus der ersten Hälfte dieses Artikels; räumen Sie sie auf, sobald Sie ihr begegnen, indem Sie den Verweis zurück auf das Bibliotheksteil legen.
Die zweite Variante ist gefährlicher: Jemand mit Rechten ändert das Original. Dann ändert sich jede Baugruppe, die das Teil verwendet, geräuschlos mit, auch alte Aufträge, die später noch einmal geöffnet werden. Deshalb ist die Regel hart: Die Geometrie eines bestehenden Bibliotheksteils ändern Sie nie. Ist ein Teil funktional anders, bekommt es eine neue Nummer und einen eigenen Platz in der Familie, und das alte Teil bleibt bestehen für die Aufträge, die darauf aufgebaut sind. Nur Metadatenkorrekturen, etwa ein Tippfehler in einer Benennung, dürfen am bestehenden Teil erfolgen, und auch die laufen über den Verantwortlichen.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich die mitgelieferten Content Center-Bibliotheken selbst ändern?
Tun Sie es nicht. Veröffentlichen Sie eigene Familien und angepasste Varianten immer in einer eigenen Library neben dem Standard. Dann bleibt der mitgelieferte Inhalt original, Ihre eigenen Teile überstehen eine Neuinstallation oder ein Update, und jeder sieht auf einen Blick, was von Ihnen stammt und was Standard ist.
Wie viel Zeit kostet Bibliotheksverwaltung eigentlich?
Rechnen Sie als Annahme mit zehn Minuten bis einer halben Stunde je Anfrage und in einem durchschnittlichen Team mit einigen Anfragen pro Woche. Stellen Sie dem die Stunden gegenüber, die eine einzige herumliegende Kopie an Sucharbeit, doppelten Artikeln und Klärung in alten Aufträgen kostet, und die Rechnung fällt fast immer zugunsten des Verantwortlichen aus.
Wie werde ich bestehende Kopien in Projektordnern los?
Nicht mit einer großen Aufräumaktion, sondern je Projekt bei der nächsten Bearbeitung: Verweis auf das Bibliotheksteil umhängen, Kopie löschen. Beginnen Sie bei den Teilen, die am häufigsten vorkommen. Mit den Metadatenwerkzeugen von Thundercad, etwa dem iProperty Panel, geben Sie Zweifelsfällen schnell die richtige Nummer; die Toolbox testen Sie 30 Tage kostenlos.