Offiziell gibt es Ihre meistverkaufte Maschine in drei Ausführungen. Auf dem Server liegen elf. Eine längere, eine schwerere, zwei mit anderem Antrieb, eine für den Kunden mit der niedrigen Halle, und ein paar, die niemand mehr erklären kann. Niemand hat je entschieden, dass es elf Geschmacksrichtungen geben soll. Es ist einfach passiert, Kopie für Kopie, Termin für Termin.
Dieser stille Wildwuchs ist selten eine Frage nachlässiger Konstrukteure. Er ist eine Frage fehlender Spielregeln. Wer Varianten in CAD verwalten will, braucht eine Antwort auf drei Fragen: Wann verdient eine Abweichung eine eigene Artikelnummer, wer ist für welche Ausführung verantwortlich, und was genau ist das Basismodell, von dem all diese Spielarten abstammen? Dieser Artikel liefert die Spielregeln, mit Beispielen aus Maschinenbau und Blechbearbeitung. Werkzeug hilft danach beim Durchhalten, von einer klaren Namenskonvention bis zu einer Toolbox wie Thundercad, aber die Regeln kommen zuerst.
Wie elf Spielarten entstehen, ohne dass jemand sie beschließt
Wildwuchs beginnt fast immer mit einer vernünftigen Entscheidung unter Zeitdruck. Ein Kunde will das Förderband einen Meter länger; der Konstrukteur kopiert das bestehende Band, streckt den Rahmen und hält den Termin. Die Kopie bleibt auf dem Server liegen, denn Löschen fühlt sich nach Wertvernichtung an. Ein paar Monate später fragt ein anderer Kunde nach genau dieser Länge, aber mit einem schwereren Antrieb. Der neue Konstrukteur greift nicht zum Basismodell, sondern zur Kopie, weil sie die jüngste war. So stammt Ausführung elf von Ausführung neun ab, die wiederum von einer Sonderausführung aus früheren Jahren abstammt, samt der abweichenden Fußplatten, nach denen längst niemand mehr fragt.
Jeder Schritt war logisch, das Ergebnis ist es nicht. Was bei einer solchen Kopie unbemerkt alles mitreist und wie Sie eine saubere Kopie aufsetzen, haben wir früher in Modelle wiederverwenden, ohne alte Fehler mitzukopieren beschrieben. In diesem Artikel geht es um die Frage davor: Hätte es diese elfte Ausführung überhaupt geben dürfen, und wenn ja, unter welcher Nummer?
Variante, Konfiguration oder Sonderausführung: bewusst entscheiden
Der Kern beherrschbarer Variantenverwaltung ist, bei jeder Abweichung bewusst zu entscheiden, was sie ist. In der Praxis genügen drei Kategorien:
| Variante | Konfiguration | Sonderausführung | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | Feste Ausführung mit eigener Artikelnummer und eigenem Dokumentensatz | Gleiches Modell, andere Parameterwerte innerhalb festgelegter Grenzen | Einmalige Abweichung innerhalb eines Auftrags |
| Wann | Die Abweichung kehrt wieder und die Fertigung muss den Unterschied sehen | Der Unterschied lässt sich über Maße oder Optionen einstellen | Die Abweichung ist einmalig und bleibt es voraussichtlich |
| Lebt in | Dem gepflegten Produktprogramm | Dem Basismodell selbst | Dem Auftragsordner, nicht im Basismodell |
| Beispiel | Schwere Ausführung mit doppeltem Antrieb | Bandlänge innerhalb einer festen Reihe einstellbar | Abweichender Fuß für eine bestimmte Halle |
Die Entscheidungsregel in Worten: Bekommen Fertigung, Einkauf oder Service mit der Abweichung zu tun, als wäre sie ein anderes Produkt, dann ist es eine Variante und verdient eine eigene Artikelnummer mit eigenem Dokumentensatz. Lässt sich der Unterschied innerhalb des bestehenden Modells einstellen, ist es eine Konfiguration, und es darf kein neuer Artikel entstehen. Und ist die Abweichung wirklich einmalig, behandeln Sie sie als Sonderausführung: Sie lebt im Auftragsordner und verunreinigt das Basismodell nicht.
Die teuerste Form ist die Zwischenform: eine Kopie, die vorübergehend gedacht war und still ein halbes Eigenleben beginnt. Keine Nummer, keine Verantwortung, aber echte Kunden.
Geben Sie jeder Ausführung einen Verantwortlichen und einen Status
Acht fast identische Kopien sind schon für sich schwierig; acht Kopien ohne Verantwortlichen sind unbeherrschbar. Niemand traut sich, eine davon zu löschen, denn irgendwo könnte eine Maschine damit laufen. Niemand fühlt sich für das Nachziehen zuständig, also erreichen Verbesserungen am Basismodell die Varianten nie. Das Gegenmittel ist auf dem Papier einfach: Jede Ausführung hat genau einen Verantwortlichen und einen Status.
- Das Basismodell hat einen Verantwortlichen: einen Konstrukteur oder Produktmanager, der Änderungen beurteilt und einpflegt.
- Jede Variante hält in ihren Metadaten fest, von welchem Basismodell sie abstammt und wer sie betreut.
- Jede Ausführung hat einen Status: aktiv, Sonderausführung oder ausgelaufen. Ausgelaufen heißt: bleibt für den Service erhalten, ist aber nie wieder ein Ausgangspunkt.
- Wer das Basismodell ändert, meldet das den Verantwortlichen der Varianten. Eine kurze Nachricht genügt.
Solche Felder auszufüllen darf fast nichts kosten, sonst stirbt die Absprache innerhalb eines Monats. Mit dem iProperty Panel von Thundercad halten Sie Status, Basismodell und Verantwortlichen auf einer einstellbaren Datenkarte pro Dokumenttyp fest, sodass die Felder direkt an der Datei sichtbar und ausfüllbar sind.
Statusfelder und Verantwortliche funktionieren nur, wenn das Ausfüllen keine Mühe macht. Mit einer Datenkarte pro Dokumenttyp stehen die richtigen Metadaten in Sekunden darauf, und Sie sehen auf einen Blick, welche Ausführung Sie in Händen halten.
30 Tage kostenlos testenStandardisieren Sie das Basismodell, nicht die Ausnahme
Wildwuchs bekämpfen Sie am Ende nicht mit Aufräumaktionen, sondern mit einem starken Basismodell. Bei den meisten Maschinenbauern ist der größte Teil einer Maschine von Auftrag zu Auftrag gleich; die Unterschiede konzentrieren sich auf eine Handvoll Module. Halten Sie das fest: ein Basismodell pro Produktfamilie, mit einer festen Optionsliste und klaren Schnittstellen. Der Kunde mit dem abweichenden Antrieb bekommt dann ein anderes Antriebsmodul, keine Kopie der kompletten Maschine.
Zwei Dinge halten ein solches Basismodell am Leben. Erstens eingefrorene Schnittstellen: Anschlussmaße, Befestigungsbilder und reservierte Bauräume liegen fest, sodass ein Modul sich ändern kann, ohne den Rest zu berühren. Zweitens ein strenges Tor: Neue Optionen kommen nur nach einer bewussten Entscheidung des Verantwortlichen ins Basismodell, nie dadurch, dass eine Auftragskopie still zurücksickert. Wie Sie das mit einem Auftragsprozess verbinden, in dem jeder Auftrag anders ist, lesen Sie in Engineer-to-Order: Jeder Auftrag ist anders, Ihr Prozess muss es nicht sein.
In der Blechbearbeitung funktioniert das genauso gut wie im Maschinenbau. Nehmen Sie eine Familie von Schaltschränken: ein Basisschrank pro Baugrößenreihe, feste Positionen für Verschraubungen und Scharniere, und der Kundenwunsch steckt in der Tür und in der inneren Aufteilung. Wer jeden Schrank als neue Konstruktion behandelt, zeichnet jede Woche denselben Schrank ein wenig anders und hat innerhalb eines Jahres seinen eigenen Wildwuchs organisiert.
Vorhandenen Wildwuchs zurückschneiden: von elf auf drei
Ist der Server schon voll, fangen Sie klein an: eine Produktfamilie, ein Nachmittag, zwei Leute, die die Familie kennen. Das Vorgehen:
- Erfassen Sie jede Ausführung, die Sie finden, auch die halbfertigen. Notieren Sie pro Stück, was vom Basismodell abweicht und wann sie zuletzt verwendet wurde.
- Entscheiden Sie pro Ausführung: mit dem Basismodell zusammenführen, zur offiziellen Variante mit eigener Artikelnummer erheben oder auslaufen lassen.
- Schreiben Sie den Status sofort in die Metadaten und benennen Sie Verantwortliche, sonst beginnt das Wachstum sofort von Neuem.
- Werfen Sie nichts weg. Ausgelaufene Ausführungen wandern deutlich gekennzeichnet in einen Archivordner: erreichbar für Servicefragen, unsichtbar als Ausgangspunkt für neue Aufträge.
Erwarten Sie nach einem Nachmittag keine drei blitzsauberen Ausführungen. Erwarten Sie aber, dass der Zähler aufhört zu steigen, und genau das ist der eigentliche Gewinn.
Häufig gestellte Fragen
Wann bekommt eine Sonderausführung eine eigene Artikelnummer?
Sobald sie wiederholbar wird: Ein zweiter Kunde fragt danach, der Service muss dauerhaft Teile dafür liefern, oder die Fertigung muss sie neben dem Standard erkennen können. Bis dahin lebt die Sonderausführung im Auftragsordner unter der Auftragsnummer, und das Basismodell bleibt sauber.
Wie viele Varianten einer Maschine sind normal?
Es gibt keine magische Zahl, wohl aber einen gesunden Test. Können Sie zu jeder Variante sagen, wer sie verantwortet, was sie unterscheidet und wann sie zuletzt verkauft wurde, dann ist die Zahl beherrschbar. Sobald eine Ausführung auf keine dieser Fragen eine Antwort hat, ist sie keine Variante mehr, sondern Wildwuchs.
Wo fange ich an, wenn der Wildwuchs schon Jahre wächst?
Bei einer Produktfamilie, nicht bei allem gleichzeitig. Erfassen, pro Ausführung entscheiden, Status kennzeichnen und Verantwortliche benennen, wie oben beschrieben. Wollen Sie Status und Verantwortung sofort auf einer Datenkarte pro Dokumenttyp festhalten, testen Sie Thundercad 30 Tage kostenlos.