"Das kann unser Paket auch." Wer sich nach mehr Kontrolle über die Konstruktionsdaten umsieht, hört diesen Satz in jeder Demo. Der PDM-Anbieter hat ein Modul für Artikel, das ERP-Paket verspricht Dokumentenverwaltung, und irgendwo setzt sich ein PLM-Berater dazu, der alles unter einen Schirm bringen will. Am Ende der Woche liegen drei Angebote auf dem Tisch und der Überblick ist kleiner als je zuvor.
Zeit, das in Ruhe zu entwirren. Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen PDM, PLM und ERP: was jedes System leistet, wo sich die Systeme berühren und in welcher Reihenfolge ein mittelständischer Fertigungsbetrieb sie wirklich braucht. Die Antwort vorweg: Der erste Schritt ist meistens keines der drei Systeme, sondern Ordnung in den eigenen CAD-Daten, mit klaren Absprachen und notfalls mit nicht mehr als einer Toolbox wie Thundercad neben Inventor.
PDM: Kontrolle über Dateien und Versionen
Product Data Management verwaltet die Dateien, mit denen die Konstruktion arbeitet: Modelle, Zeichnungen, Baugruppen und alles, was daran hängt. Die Kernfunktionen sind Check-out und Check-in (nie zwei Personen gleichzeitig im selben Bauteil), Versionsverwaltung (jeder Stand bleibt erhalten) und die Suche über Eigenschaften statt über Ordnernamen. Ein gutes PDM-System kennt außerdem die Verweise zwischen den Dateien: Es weiß, in welchen Baugruppen ein Bauteil verwendet wird, bevor Sie es ändern.
PDM denkt in Dateien und Revisionen, und genau das ist seine Stärke und zugleich seine Grenze. Für Inventor-Teams ist Autodesk Vault die bekannteste Umsetzung; ob sich dieser Schritt für Ihr Team schon lohnt, hängt von Teamgröße, Projektdruck und Fehlerkosten ab. Ein ehrliches Entscheidungsmodell dazu haben wir in Brauchen Sie Vault? Eine ehrliche Antwort für kleinere Teams beschrieben.
PLM: der Prozess rund um das Produkt
Product Lifecycle Management blickt über die Dateien hinaus: Es begleitet ein Produkt von der Anforderung bis zum Auslaufen. Dazu gehören Änderungsanträge mit Prüfung und Freigabe, die Verwaltung von Anforderungen, das Zusammenspiel von Mechanik, Elektrik und Software sowie Unterlagen, die mit CAD nichts zu tun haben: Handbücher, Zertifikate, Prüfberichte. PLM beantwortet Fragen wie "welche Änderungen stecken in der Ausführung, die bei diesem Kunden läuft" und "wer hat diese Änderung wann freigegeben".
Das klingt verlockend, und für Unternehmen mit hohem Änderungsdruck oder strengen Dokumentationsanforderungen ist es das auch. Aber PLM setzt voraus, dass die Schichten darunter stehen: Ohne verlässliche Dateiverwaltung und ohne gefüllte Metadaten automatisieren Sie einen Prozess, den es noch gar nicht gibt. Im Mittelstand ist "PLM" außerdem oft schlicht eine gut abgesprochene Arbeitsweise mit den Mitteln, die ohnehin vorhanden sind.
ERP: Artikel, Mengen und Planung
Enterprise Resource Planning sitzt auf der kaufmännischen Seite: Kundenaufträge, Einkauf, Bestand, Planung, Nachkalkulation. Ein ERP-System denkt nicht in Dateien, sondern in Artikeln: eine Artikelnummer mit Bezeichnung, Preis, Lieferzeit und Bestand. Was die Konstruktion entwirft, wird für das ERP erst interessant, sobald daraus ein Artikel wird, der bestellt, gefertigt oder verkauft werden muss.
Damit ist ERP für die meisten Fertigungsbetriebe das älteste und selbstverständlichste der drei Systeme: Es lief oft schon, lange bevor überhaupt in 3D konstruiert wurde. Die Frage lautet also selten, ob Sie ERP brauchen, sondern wie Ihre Konstruktionsdaten verlässlich hineinkommen.
Wo sich die drei berühren, und wo es hakt
Auf dem Papier ist die Aufgabenteilung klar. In der Praxis reibt es an drei Stellen: bei der Stückliste, bei den Artikelstammdaten und beim Änderungsprozess. Die Stückliste entsteht im CAD, aber Fertigung und Einkauf arbeiten mit der Fassung im ERP. Artikel gibt es in beiden Welten, jeweils mit eigenen Feldern. Und eine Änderung berührt alles gleichzeitig: Datei, Artikel, Bestand und laufende Aufträge.
| Frage | Die Antwort gehört in |
|---|---|
| Welche Version dieses Modells ist aktuell? | PDM |
| Wer hat diese Änderung wann freigegeben? | PLM (oder PDM mit Workflows) |
| Wie viele Stück liegen auf Lager? | ERP |
| Wie lang ist die Lieferzeit dieses Kaufteils? | ERP |
| Aus welchen Bauteilen besteht dieses Produkt? | Alle drei, jeweils mit eigenem Zweck |
Die letzte Zeile ist die Quelle der meisten Reibung. Die Konstruktionsstückliste im CAD, die verwaltete Stückliste im PDM und die Fertigungsstückliste im ERP sind miteinander verwandt, aber nicht identisch. Solange Menschen sie von Hand abtippen, laufen sie auseinander, und jede abgetippte Zeile ist eine Gelegenheit für einen Fehler, der erst in der Werkstatt auffällt.
Wo Sie in dieser Geschichte auch stehen: Die tägliche Übergabe zwischen Inventor und ERP muss nicht auf ein großes System warten. Thundercad schreibt Stücklisten in Ihre eigene Excel-Vorlage und lässt Sie Artikel aus dem ERP direkt in Inventor nachschlagen und platzieren.
30 Tage kostenlos testenDie Reihenfolge, die im Mittelstand meistens passt
Anbieter argumentieren von ihrer eigenen Lösung aus; Sie argumentieren besser von Ihrem größten Risiko aus. Für die meisten mittelständischen Fertigungsbetriebe sieht die gesunde Reihenfolge so aus:
- Zuerst die CAD-Daten in Ordnung bringen. Feste Vorlagen, gefüllte iProperties, eine klare Namenskonvention und Modelle ohne Altlasten. Ohne dieses Fundament macht jedes System das Chaos nur besser auffindbar. Wie sich diese Grundlage bis in die Werkstatt auswirkt, lesen Sie in Saubere, verlässliche Daten in die Fertigung.
- Danach PDM. Sobald mehrere Personen täglich in denselben Dateien arbeiten, wird die Versionsverwaltung zum Engpass. PDM löst ein akutes und messbares Problem; deshalb steht es in der Reihe vor PLM.
- ERP bewusst anbinden. Das ERP läuft meistens schon. Der Gewinn liegt in der Übergabe: erst Absprachen über Artikelnummern und Stücklistenübergabe, danach die Technik, die diese Absprachen automatisiert.
- PLM erst bei nachweisbarem Prozessschmerz. Hoher Änderungsdruck, Nachweispflichten von Kunden, mehrere Disziplinen, die aufeinander warten: Das sind die Signale. Nicht "die Demo sah gut aus".
Die Reihenfolge ist kein Gesetz, aber eine Regel gilt immer: Jedes System verstärkt das, was Sie hineingeben. Wer Unordnung einspeist, bekommt sauber sortierte Unordnung zurück.
Häufig gestellte Fragen
Ist Autodesk Vault nun PDM oder PLM?
Vault ist im Kern PDM: Dateiverwaltung, Versionen und Auffindbarkeit für Ihre Inventor-Umgebung. Umfangreichere Editionen rücken mit Änderungsworkflows und Lebenszyklen in Richtung PLM, der Schwerpunkt bleibt aber die Verwaltung von CAD-Dateien. Für die meisten Inventor-Teams ist genau das erforderlich.
Kann unser ERP-System die CAD-Dateien nicht einfach mitverwalten?
Dokumente ablegen kann fast jedes ERP-System, aber CAD-Dateien sind keine einzelnen Dokumente: Eine Baugruppe verweist auf Dutzende Bauteile, die einander brauchen. Ohne Check-out, Versionsverwaltung und Kenntnis dieser Verweise geht das früher oder später schief. Lassen Sie das ERP tun, was es gut kann, und geben Sie der Konstruktion eine eigene Verwaltungsebene.
Was kann ich tun, ohne ein einziges neues System zu kaufen?
Mehr, als Sie denken: eine Namenskonvention vereinbaren, iProperties konsequent füllen und die Stücklistenübergabe an das ERP standardisieren. Diese Arbeit ist für jedes künftige System nötig und zahlt sich schon heute aus. Die Export- und Artikelwerkzeuge von Thundercad können Sie dafür einen Monat kostenlos einsetzen.